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Vernazza, Cinque Terre

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Corniglia, Cinque Terre

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Göteborg

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Schäreninsel

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Rhöner Jungs im Allgäu

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Rammstein in Vilnius

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3D Laser Bruchwandvermessung

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Sprengtechnik 24

Der Rhöner 2.0

Beitrag: Blog2 Post

Rhöner Jungs auf Allgäutour

Aktualisiert: 26. Juni 2023

Der Meteorologe spricht von tropischen Nächten, wenn die Temperatur nicht unter zwanzig Grad absinkt. Beim Abwurf der Bettdecke reißt es die Bierflasche vom Nachttisch. Nichts passiert, war schon leer. Pechschwarze Wolkentürme verdunkeln das Morgengrauen über dem Stellberg. Platzregen weckt die Rhöner Jungs zur vierten Auflage ihrer Heimatflucht. Sie müssen los, mit den Rädern nach Fulda zum Zug und weiter bis Lindau an den Bodensee.



Bodensee - Königssee soll es in diesem Jahr werden. Nach vier Alpenetappen, planen die Herren sich in Salzburg eine Mozartkugel in den Kopf zu schießen.

Das Training ist in diesem Jahr kürzer ausgefallen. Zweimal Brötchen holen muss reichen. Ihre markante Rhöner Selbstbewusstseins-Gentrifizierung schließt die Lücke zwischen Haben und Soll. Die Römer haben es auch über die Alpen geschafft.


Hinter Schwetzingen kleben Klimaaktivisten an den Gleisen. Die Bahn berichtet von unbefugten Personen auf der Strecke. Mir verklebt es das Hirn, fuhr mein Zug doch schon mit fünfzig Minuten Verspätung los.



Einen kostenlosen Mitropa Kaffee weiter, ist meine Gelassenheit zurück. Gäbe es die Bahn nicht, hätte ich nichts aufzuschreiben.



Als der Zug am Hundertwasserhaus in Plochingen vorbeirauscht, hat er zwanzig Minuten gut gemacht. Auf die Bahn ist Verlass und die Rente ist sicher.


Wie ging der Satz von Herrn Friedensreich Hundertwasser nochmal?

Die Verwendung eines Lineals in der Architektur ist "verbrecherisch", es ist nichts als ein "Instrument des Zerfalls der Dreieinigkeit".

Was bin dann ich, in meiner Tätigkeit als Vermesser?

Ich klappe die Lehne zurück und schlafe augenblicklich ein.



Der Bodensee empfängt uns mit schwüler Hitze. Die nächste tropische Nacht hält Einzug in die Statistik der Meteorologen.



1. Etappe Bodensee-Bannwaldsee

Ein Sportler ist, der raucht und trinkt und trotzdem seine Leistung bringt

Natürlich immer auch im Dienste der Wissenschaft.



Aber beginnen wir von vorne. Sucht man bei Komoot nach Routenvorschlägen für die beliebte Strecke vom Bodensee zum Königssee, landet man gleich mehrere Treffer. Die vorgeschlagene Reisedauer beträgt zwischen sechs und neun Tagen.

Die Rhöner haben nur vier Tage Zeit. Die Strecke muss kürzer, kompakter, zielstrebiger geplant werden. Die gemeinsame Partyzeit ist gesetzt. Bitte da, keine Abstriche.


Gleich hinter Lindau geht es den Hang hoch.



Das Verkehrszeichen 110, das eine Steigung ankündigt, ist ein weißes Dreieck mit rotem Rand. Darauf ist in schwarz eine Ebene abgebildet, die von links nach rechts ansteigt.

Zeigt das Schild eine Steigung von 27% an, bedeutet das, dass es auf einer Strecke von 100 Metern 27 Meter hoch geht.

Ist machbar, sagen die Rhöner. Bei uns zuhause geht es auch bergauf.



Soviel zur Theorie. Die Praxis ist Blut und Schweiß, kämpfen, schieben, umfallen und aufstehen. Es geht vier Kilometer rauf wie auf dem Dach. Die längsten Abschnitte sind grob geschotterte Serpentinen-Waldwege mit losem Geröll, etlichen Schlaglöchern und Flutrinnen.


Wer glaubt, dass es heute damit getan ist, sieht sich in seiner Annahme getäuscht.

Schmerz ist die Währung, mit der falsche Hoffnungen bezahlt werden.

Das alles nehmen wir in Kauf für grandiose Aussichten und das erhabene Gefühl etwas Hammerhartes geschafft zu haben.

Wir blicken auf den Großen Alpsee, fahren entlang des Gründel, - Weißen- und Foggensees, bis zum Tagesziel Bannwaldsee.





Ein Teil der Jungs schlägt einen kleinen Haken zu den Schlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau.



Einer fährt platt mit Aussicht. Während unser Werkstattprofi Thomas bereits im Hotel Bannwaldsee unter der Dusche steht, ruft der andere nach Pannenhilfe. Die Hotelchefin Tatjana Rehklau packt kurzerhand unseren Thomas nebst Werkzeug in ihr Auto, kommt zum Schloss, hilft beim Schlauchwechsel und nimmt auf dem Rückweg das Gepäck des Unglücksraben mit ins Hotel.


Wir sind begeistert! Chapeau Madame Rehklau.



2. Etappe Bannwaldsee - Schliersee


Die Langschläfer werden genötigt halb acht zum Frühstück zu erscheinen. Hitze erwartet uns auf der Strecke. Unwetterwarnungen drücken auf die Stimmung.. Die Rhöner sind eher kälte- als hitzebeständig.


11Uhr, Murnau, 2. Frühstück. Finde den Fehler.



Die Flüsse und Bäche sind beängstigende Rinnsale.



Ab Mittag brennt uns die Sonne aufs Fell. Wir ziehen durch und erreichen nach hundert Kilometern unser Seehotel Schlierseer Hof zur besten Kaffeestunde.



Sofort wird im See eingecheckt. Die Jungs tummeln sich wie junge Labradore, schütteln sich, trocken sich und wedeln mit der Hand nach dem Kellner.

Gegen 22Uhr versiegt die Quelle. Die Rhöner werden unlustig ins Bett genötigt.




Auf den Zimmern ist es bullenheiß. Die Luft steht wie eine Wand. Ich rolle mein Bettzeug zusammen und verziehe mich nach draußen auf das Netz über dem See.


In der Ferne brüllt das Unwetter. Blitze zucken, Wolkenfetzen erscheinen für Bruchteile von Sekunden. Gegen 2 Uhr ist es da. Dicke Tropfen prasseln mir ins Gesicht. Ich wäre gerne die ganze Nacht geblieben.



3. Etappe Schliersee - Lofer Sankt Martin


Der Schliersee schwappt im Sommerblues.

Mit einem Auge starren die Jungs auf den See mit dem anderen aufs Handy. Das Wetterradar zeigt wandernde blauschattierte Blasen von Südwest nach Nordost auf dem Display. Vom wiederholten Anschauen wird es nicht besser, auch nicht, wenn derjenige im Nachbarbett, das Gleiche tut.



Gegen 10Uhr lässt der Regen nach. Die Herren rüsten sich gegen gegen drohende Gefahren. Während bei dem Einen der modische Aspekt dominiert, setzt der Andere auf Zweckmäßigkeit.



Ab Schliersee fahren wir weiter östlich ins Österreichische Tirol. In Bayrischzell beginnt der Aufstieg über den Sudelfelspass nach Oberaudorf am Wilden Kaiser. Es geht brutal hinauf. Wenigstens hat es aufgehört zu regnen. Brettharte dreißig Prozent Steigung gilt es zu knacken. Die Rhöner gehen es an. Kein Stöhnen, kein Murren, sie helfen sich gegenseitig auf den Gipfel.





Ein Viehgitter, auch Weiderost oder Viehrost genannt, ist eine bodengleich angeordnete Viehsperre, die von Fahrzeugen ohne Halt passiert werden kann. Für Weidetiere wie Rinder oder Schafe, aber auch Großwild, stellen Viehgitter ein kaum zu überwindendes Hindernis dar, da die Tiere darauf keinen festen Tritt finden.



Biker sollten Viehsperren möglichst schnurgerade, also im rechten Winkel zu den verschweißten Stahlrohren, mit niedriger Geschwindigkeit anfahren und ohne zu bremsen oder zu lenken, überfahren. Bei Regen erhöht sich die Rutschgefahr auf den Stahlflächen um den Faktor 3.



Ein anschließendes Weißbier wird zur Desinfektion und Rehabilitation empfohlen.




Wir überqueren den Inn und erreichen nach 94 Tageskilometern die Stadt Lofer



4. Etappe Lofer - Königsee - Salzburg


Vor uns liegen die letzten, fünfundsechzig Kilometer. Vierzig bis zum Königssee und fünfundzwanzig weitere bis Salzburg.

Die Eile ist durch, das Frühstück entspannt, was soll noch schief gehen. Kette schmieren, Wasserflaschen füllen, Zahnbürsten einpacken, Feuer frei.


Nach aufmerksamer Recherche haben die Rhöner den Ursprung des Keramik Managers erkundet und dokumentiert.


Am Königssee wird's kuschelig. Der Ort ist eine Turihölle. Überfüllte Parkplätze, Menschen, Buden, Kneipen und Ausflugsboote. Die Asiaten kaufen ihre eigenen Merchandising Produkte, Made in China. Gleich mehrere Schlangen winden sich um die Fahrkartenschalter der Bayrischen Seenschifffahrt. Gruppen ab 20 Personen werden bevorzugt.

Wer Kraft und Muse hat, nimmt den fünfzehn minütigen Fußmarsch hinauf zum Malerwinkel in Kauf.

Dafür lohnt es sich zu Kommen.





Die Abschlussparty steigt ab 18Uhr in Salzburg.

Micha hat original, handgemachte Mozartkugeln besorgt. Die Zunge meldet Hochgenuss. Der Schuss 😊 sitzt mitten im Kopf.




Später ruft einer der Jungs seine Oma an und erzählt ihr ausführlich von seinen Erlebnissen. Ein anderer bestellt sich Apfelschorle und prostet dem gestressten Kellner zu. Ein Dritter schreibt Postkarten an die Verwandten und unterzeichnet mit einem Herzchen. Ein Vierter und Fünfter helfen einem behinderten Menschen bei der Reparatur seines Rollstuhls. Es wird fettfreies Essen bestellt und das Rhönlied angestimmt.

Um 23Uhr sind alle im Bett.



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