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Vernazza, Cinque Terre

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Corniglia, Cinque Terre

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Göteborg

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Schäreninsel

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Rhöner Jungs im Allgäu

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Rammstein in Vilnius

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3D Laser Bruchwandvermessung

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Sprengtechnik 24

Der Rhöner 2.0

Beitrag: Blog2 Post

Europasommer 2022

Aktualisiert: 8. Okt. 2022

Fahrplan


0. Anreise


0. Anreise

Auch ein Aussteiger braucht gelegentlich eine Pause vom Ausstieg.

Sein Pausenbrot ist sein Bahnticket für den Eurocity EC113 von Frankfurt am Main nach Ljubljana. Für gut 100 Euro bekommt er 1000 Kilometer Sitzplatzreservierung mit Blick auf sein getreues HNF XD3 All-Terrain Begleitfahrzeug, ein Kaffee spendendes Bordrestaurant und jede Menge Alpenpanorama. Null mal Umsteigen verspricht ein leichtes Spiel zu werden.

Österreichs größter Mobilitätsanbieter ÖBB schiebt seinen Zug pünktlich 8Uhr auf Gleis 10 in den Sackbahnhof der Mainmetropole. Mann und Rad fahren zusammen im letzten Waggon mit der Nummer 275.

Soweit zur Theorie.



In den nostalgischen Abteilwagen mit hoher Eingangstür gibt es keine Fahrradstellplätze. Im schmalen Seitendurchgang hat schon der Lenker maximale Überbreite. Ganz vorne bei der Lok findet der Suchende einen Waggon mit einem aufgemaltem Bike an der Seitenfront. Es ist ein Güterwagen mit Haken an Decken und Wänden. Auch gut, denke ich und mache mich ans Werk. In komplementäres Blau der Zugfarbe gekleidet, kommt eine Schaffnerin auf mich zu und erklärt, dass es im Wagen 275 einen Befestigungshaken geben müsse, wenn es denn so auf meinem Ticket stehe. Ich denke, du mich auch, nehme meine Gepäcktaschen ab, laufe zum Zugende zurück und breite mich genüsslich auf meinem reservierten Sitzplatz 54 aus.



Ab Darmstadt wird der Zug voll und voller, ab München geht kein Apfel mehr zur Erde. Der Durchgang ist heillos verstopft mit Koffern Taschen und Menschen. In Salzburg verengt sich das Spaltmaß zwischen den Reisenden auf Tuchfühlung. Ich achte darauf, dass die Abteiltür stets geschlossen bleibt. Der gewiss mitreisende Virus möge bitte vor der Tür Platz nehmen, der Sitzplatz Nummer 54 gehört mir alleine. Kurz vor Villach verkündet die Stimme aus dem Lautsprecher, dass der Zug in wenigen Minuten getrennt wird. Die letzten drei Wagen werden abgekoppelt und fahren nach Ljubljana und Zagreb weiter. Der Rest des Zuges setzt seine Fahrt nach Klagenfurt fort.

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Suboptimal, denke ich, wenn mein Fahrrad ganz vorne im Zug steht und alleine nach Osten weiterfährt. Also raus in den Geschiebemergel aus Plastik und Ausdünstung und vor zum Güterwagen. Der Zug hält und ich stehe mit Rad und ohne Gepäck auf dem Bahnsteig in Villach. Zwei weitere Waggons rollen heran, werden angekoppelt. Im Habitus älter, enger, geschundener als der Rest des Zuges. Aus EC113 wird EC213. Die Türen des ersten Waggons sind so schmal, dass er als Transportmittel für ein Fahrrad von vorneherein ausfällt. Im zweiten bin ich drin, stehe im Gang zwischen den Puffern, blockiere die Klotür und den Ausstieg in Fahrtrichtung rechts. Platz 54 ist Geschichte. Ich hole mein Gepäck in die Verteidigungsstellung. Der Schaffner sieht mich, blickt zum Himmel auf und wirft dir Tür zu.



Der Grad der Bedrängnis einer Notdurft lässt sich präzise in den Augen ablesen. Mit dem dem Charme eines Reinemachfachangestellten verweise ich im Minutentakt auf die nächste Toilette gleich links im nächsten Wagen. Zuvorkommend öffne ich den Durchgang über die schabenden, ächzenden Bleche oberhalb der Puffer, wohlwissend, dass die Herrschaften auf ihrem Rückweg noch einmal an mir vorbei müssen. So kommt man auch in den Kontakt mit Menschen. Ein Serbe bleibt bei mir, wir reden über Fotografie. Ich gebe ihm meine Karte. In Ljubljana hilft er mir, Fahrrad und Gepäck aus dem Verschlag zu hieven.

Slowenien

Für die Auswahl meiner Unterkunft trage ich mir eine Eins ins Klassenbuch ein. Das Saint Ignatius Retreat Haus in der Ulica stare pravde 11 ist ein niveauvoll ansprechendes Quartier. Alles sauber, alles chic. Ein Haus mit ausgeprägter Willkommenskultur.



Ljubljana begrüßt mich ausgelassen, vielstimmig, gutgelaunt. Es ist Samstagabend, es ist angenehm warm und ich habe Hunger. Der Fluss Ljubljanica windet sich durch die Altstadt. Die Stadt lebt mit, auf und neben dem Wasser. Ihre Ufer werden von zahllosen Cafés, Bars und Restaurants gesäumt. Livemusik hält die Stimmung hoch und die Leute in Schwung. Die Stadt nimmt mich an, lädt mich ein, füttert mich. Ich verweile, schaue zu und genieße den Einstieg in meinen Europasommer 2022.


Seit Jahren hat Ljubljana den Ruf, eine der grünsten und saubersten Städte des Kontinents zu sein. An jeder Ecke finden sich exakte Mülltrennsysteme.. Die Stadt setzt Mitarbeiter für die Überwachung der Systemtechnik ein.


Gute Nacht meine Schöne




1. Etappe: Ljubljana --> Triest

Die Sonne steht bereits ziemlich hoch über dem St. Nikolaus Dom, als ich auf das Rad steige. Vor mir liegen hundert Kilometer Wälder, Flüsse, Dörfer. Fast 60 Prozent der Landfläche sind mit Hecken, Sträuchern und Bäumen zugewachsen. Es sollen zwischen 500 und 700 Braunbären darin ihr Zuhause haben. Mal schauen, ob mir ein Zotteltier über den Weg läuft.

Bis gestern kannte ich das kleine Land südlich der Alpen nur als Transitland auf dem Weg an die Küste Kroatiens. Hinter dem finsteren Karawankentunnel folgte das Navi stets dem graublauen Beton- und Asphaltstreifen über Ljubljana nach Koper an die Grenze nach Kroatien. Müde und abgespannt von der langen Fahrt eilte Slowenien wiederholt unbeachtet an meinem Autofenster vorüber.

Das möchte ich ändern, darum bin ich hier.


Mein Streckenverlauf folgt in groben Zügen der E61. Hinter Ljubljana wird es schnell ländlich, besonnen und still.

Die Ruhe wird förmlich greifbar, wenn Hunde und Katzen mitten auf der Dorfstraße liegen bleiben, während du freundlich grüßt und vorüber rollst. Kühe, Pferde und Ziegen machen im Schatten von Obstbäumen Siesta. Nicht mal ein Schaf ist so dumm aufzustehen, wenn ein Ausländer mit einer Knipse daher kommt und sich vor ihm aufbaut.


Beim Anblick der Wälder traue ich meinen eigenen Augen nicht. Alles steht im Saft. Sämtliche Baumarten, die ich aus der Heimat kenne, reihen sich in trauter Vielfalt dicht zusammen. Selbst die Fichten tragen bündelweise dicke Zapfen bis in die entlegensten Wipfel. Laubwald dominiert, Nadelbäume sind eingestreut, Haselnusssträucher füllen die Lücken. Slowenien ist ein stiller Leuchtturm intakter Biodiversität.

Ich fühle mich gleich selbst ein bisschen gesünder, wenn ich sehe, dass es dem Wald gut geht.


Slowenien ist eigen, pflegt seine Mythen, wie die vom Drachen und dem tapferen Dreizehnjährigen oder überrascht mit der pfiffigen Gestaltungsidee eines Bushäuschens.

Am späten Nachmittag liegt mir die Adria zu Füßen. Die Grenze zu Italien habe ich unbemerkt irgendwo im nirgendwo überschritten. Vor mir Triest, mein heutiges Tagesziel.

Italien

Check in, Dusche, Espresso. Der Pause folgt der Hunger nach Leben, nach Stadt, nach Menschen. Ich packe mein Werkzeug ein und drehe eine Runde zur blauen Stunde.


Menschen im 21. Jahrhundert



Italien präsentiert Pasta mit Meeresfrüchten. Unser aller Ursprung liegt im Wasser, meiner im Besonderen. Noch heute esse am Liebsten meine Mitbewohner auf.



2. Etappe: Triest --> Pula

Die slowenische Küste ist 46,6 Kilometer kurz. Sie reicht von der Stadt Ankaran an der nördlichen Grenze zu Italien, bis hinunter nach Sečovlje – den berühmten Salzgärten an der Grenze zu Kroatien.


Im dichten Verkehr folge ich den großen Ausfallstraßen aus Triest heraus. Dann geht es die Berge hinauf. Halleluja, die Anstiege sind maximal grenzwertig für meine Enviolo- Automatik Schaltung. Ab 22 Prozent Steigung fahre ich Schlangenlinien um nicht schieben zu müssen. Oben angekommen, geht es nicht mehr weiter. Endstation Baustelle. Ich komme nicht durch, fahre die gleiche Strecke wieder runter und suche mir eine Alternative in Richtung Süden.

Kroatien


An der Grenze von Slowenien nach Kroatien verlangt ein Beamter meinen Pass, der ihn nicht im geringsten interessiert. Der Typ klebt mit seinen Nüstern an meinem Fahrrad, zu verklemmt um Details nachzufragen, zu sehr Beamter um sich das zu erlauben.

Grenzkontrollen ins benachbarte Kroatien sind obligatorisch. Zu tief sitzt der Stachel der Fehde, zu laut die empörten Rufe der Politiker an die eigene Jugend ihr Urlaubsgeld im eigenen Land auszugeben. Zu Hunderttausenden verbringen sie die beste Zeit des Jahres an Istriens Küste.

Als Kind des Ostens, an der Grenze aufgewachsen, erhebe ich den Mittelfinger an die ewig Gestrigen. Ich kenne nichts besseres als die Freiheit, frei zu entscheiden was ich tue oder lasse, wo ich hingehe oder fernbleibe.


In Pula angekommen, ist meine Familie schon da. Sie ist aus dem Karawankentunnel geschlüpft und über die E61 mit dem Auto angereist...

Die Mildes machen Urlaub!


3. (Un)Ruhetage an Istriens Küste

3.1 Pula

Pula lebt von und mit seinem Colosseum. Das mehrfach geplünderte Bauwerk hat sich seine Ausstrahlung bis heute bewahrt. Im 5. Jahrhundert sind die Tier- und Gladiatorenkämpfe verboten worden. Ihr Geist lebt bis heute weiter...


Am 01. Januar 2023 ist es soweit. Der Euro löst den kroatischen Kuna ab. Vielen Einheimischen ist das ein Dorn im Auge. Korruption und Vetternwirtschaft sind bis heute ein fester Bestandteil in den Strukturen der Großfamilien. Bei einem durchschnittlich umgerechneten Monatseinkommen von 900 Euro hält sich die Willkommenskultur für die neue Währung in Grenzen.

Kartenzahlungen sind in vielen Bars, Restaurants oder auf den Märkten nicht erwünscht, ja verhasst. Nur auf massives Drängen werden die Lesegeräte unter dem Tresen hervorgeholt. Der Mehrwertsteuersatz ist mit 25 Prozent einer der höchsten in Europa. Dieses Geld nimmt der Selbständige gerne auch selbst und ständig mit nach Hause.


3.2 Brainstorming im Verudela Art Park


Mystic


3.3 Rovinj


Rovinj ist die Perle von Istrien. Sie ist überlaufen, gestresst und zugeparkt. Und dennoch, wunderschön.


3.4 Speed Boot

Was eine geile Scheiße.

Mit dem Speed Boot über die Adria zu fliegen ist ein Dreamcatcher, ein must do auf deiner Bucket List.

Du zahlst 65 Euro, ignorierst beflissentlich den Beipackzettel möglicher Gesundheitsgefahren und schon kann es los gehen.


Der deutsche Michel würde dir vermutlich vor Antritt der Fahrt eine TÜF geprüfte Schwimmweste verpassen, die Handhabung aktenkundig belehren, dir einen Dreipunkt- Sicherheitsgurt anlegen und die Kaskopolice im Bordtresor hinterlegen.

Der Kroate baut auf deinen Selbsterhaltungstrieb.


Gemeinsam mit einer Handvoll junger Franzosen: innen starten wir um Punkt 9 Uhr im Yachthafen von Pula.

Vier Stunden stehen auf dem Programm, mit zwei Badeaufenthalten an der blauen Kalksteinhöhle und dem südlichsten Punkt Istriens, dem Kap Kamenjak.


Erkenntnis des Tages:

Speed Boot fahren ist die türkisfarbene Leichtigkeit aus Geschwindigkeit und Landschaft, Sonne und Gischt, Hitze und Kühle.

Nur eines zählt - machen!



4. Dritte Etappe Pula/ Kroatien - Piran/ Slowenien

Irgendwann geht alles zu Ende. Auf dem Parkplatz des Hotels Pula Plaza Park verabschieden wir uns voneinander. Meine Familie biegt auf die E61 in Richtung Norden ein und steuert auf das Karawankenschlupfloch zu.

Ich habe mir in den Kopf gesetzt mit dem Fahrrad nach Hause zu fahren.

Mein letzter Gruß gilt der evolutionärsten Gattung der Schnäppchenjäger.


Slowenien

Das Land empfängt mich, wie es mich entlassen hat. Mit Bürokratie.

Ein nicht zu verbergendes Grinsen um die Mundwinkel, fahre ich an der kilometerlangen Blechlawine vorbei und reihe mich kurz vorm Schlagbaum wieder ein.

Der Herr in Uniform fordert: Dokument!

Das ist natürlich nicht ganz so einfach, wie in einem Auto, wo man hinreichend Zeit für die Suche hat. Ich krame meinen Rucksack durch, halte ihm meine Ikea Familie Card vor die Nase, er winkt mich durch ohne hinzuschauen.


Die Bucht von Piran ist der Eiterpickel auf dem Gesicht der Beziehungen zwischen Kroatien und Slowenien. Zu Zeiten Jugoslawiens wurde kein genauer Grenzverlauf festgelegt. Seit Kroatien und Slowenien 1991 ihre Unabhängigkeit erklärt haben, beharrt Kroatien darauf, die Grenzlinie in die Mitte der Bucht zu legen. Für die Slowenen hat das fatale Folgen. Sie verlieren den Zugang zur Adria.

Deswegen sprach 2017 ein internationales Schiedsgericht einen Großteil der Bucht Slowenien zu. Kroatien findet das ungerecht und lehnt die Schiedsentscheidung bis heute wegen Befangenheit ab.



Vor den Toren von Piran wird bis heute Meersalz durch Verdunstung gewonnen. Seit 804 ist die Salzblüte Quell des Reichtums der mittelalterlichen Stadt. Die Gebiete der Salzgewinnung wurden vor einigen Jahren zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.


Der Küstenweg in die Stadt ist mit unzähligen Bootsanlegestellen zugepflastert.

Alles klar. Hauptsache Boot.



Piran ist eine Postkartenschönheit. Ein echter Geheimtipp.

Das kosmopolitische Küstenstädtchen, das sich unter dem Einfluss des nahe gelegenen Venedigs entwickelte, gilt als eine der unverbildetsten und fotogensten Städte an der Adriaküste.



Eigentlich bin ich kein Sonnenuntergangsfotograf. Den Reiz dieses Naturschauspiel hautnah zu erleben ist dennoch ungebrochen. Die Menschen sind von der Magie verzaubert.


.


Die dritte Etappe klingt aus mit einem Lobster auf handgemachter Tagliatelle..



5. Vierte Etappe Piran/ Slowenien - Udine/ Italien



Mein Zimmer im dritten Stock des Gästehauses PachaMama in der Truberjeva 8 misst ganze 7 Quadratmeter. Die Truberjeva 8 ist ein handtuchbreites Säufergässchen mit finsteren Durch- und Eingängen und geschundenen, abgewetzten Türklinken. Ein schmaler Spalt Himmel dient eher dem Verbergen als dem Beleuchten. Hoch oben wedelt Wäsche auf quer gespannten Leinen zwischen den Fenstern. Es ist herrlich düster und köstlich schaurig. Innen zeigt sich PachaMama im feinen Zwirn. Von der Lobby bis unters Dach ist es liebevoll saniert und herausgeputzt. Meine klimatisierten 7 Quadratmeter sind vollgestellt mit Fahrradtaschen. Vor meinem Fenster ragt der Glockenturm der Sankt Georg Kathedrale ins Himmelblau wie ein aufgestellter, mahnender Finger. Alle Viertelstunde erinnert dich der Glockenschlag an den endlosen Fluss der Zeit. Aufstehen!

Das "Frühstück Inklusive" Versprechen wird in einem Stadt Café am Tartiniplatz eingelöst. Mein Fahrrad hat ein paar hundert Meter weiter in einer der zahllosen Gassen in einem Einzelzimmer übernachtet.


Slowenien hat mich gefangen. Sein einzigartiger, zurückhaltender Charme passt zu mir wie ein Maßanzug.

Die Küstenregion bietet zweispurige Fahrradwege über Isola und Kober bis zur Grenze nach Italien.



Italien

In Triest wird es wild. Du bist Teil mehrspuriger Stadtautobahnen, biegst ab bei rot, quetschst dich durch, drängelst, hupst. Verkehrsregeln sind ein Recht, auf das du besser nicht pochst, wenn du überleben willst.

Schau deinem Gegenüber in die Augen und du weist was zu tun ist.

Auf der Küstenstraße nach Venedig treffe ich auf Michael. Aus der Ferne hielt ich ihn mit seinem Gespann für einen Postzusteller von DHL. Michael ist Unterfranke, lebt in München und arbeitet in einem Fahrradladen. Er kommt aus Kroatien und will zurück ins Bayrische. Sein Modell Eigenbau ist ein fahrendes Kraftwerk. Er hat sieben Akkus an Bord und eine zusätzliche große Power Box, die von einem Fotopanel gespeist wird. Michael ist autark. Er braucht nichts und niemanden. Schöne bunte Welt.


In Monfalcone ist es dann soweit.

Addio mio amato mare.



In der Ferne ragen die Alpen auf. Monströs und bedrohlich stehen Sie hinter der Tiefebene des Friaul. Die Fahrt geht durch lang hingestreckte Weinfelder soweit das Auge reicht.

Gegen Abend erreiche ich Udine, buche fünf Minuten vor der Angst noch ein Zimmer im Hotel Friuli. Wie passend.



6. Fünfte Etappe: Auf dem Alpe Adria Radweg nach Kärnten



Der Alpe Adria ist ein guter Bekannter. Letztes Jahr sind Herr und Frau Milde die 414 Kilometer Trans Alp von Salzburg nach Grado gefahren.

Gefühlt alle, fahren die Strecke von Nord nach Süd. Ich steige nach dem "Colazione all'italiana" in Udine ein und fahre der Katze gegen den Strich.


Mit abnehmender Entfernung zum Gebirge wächst proportional mein Respekt.

Es hat sich bis heute nichts daran geändert. Der Anblick der Alpen lehrt mich Staunen.

Vierzig Kilometer hinter Udine ist mir der Fels auf die Pelle gerückt.

Nördlich Venzone beginnt der eindrucksvollste Teil der Strecke. Auf der zum Radweg umgebauten alten "Pontebbana", einer aufgelassenen Bahnstrecke, geht es auf 50 Kilometern durch 22 Tunnel, über Brücken und Viadukte das Kanaltal hinauf ins Dreiländereck nach Tarvis.





Mit Sorge fällt der Blick wieder und wieder auf teilweise oder ganz ausgetrocknete Gebirgsflüsse.



Es ist wie in Paris am Montmartre. Hier musst du einen Cafe getrunken haben, sonst warst du nicht da. Auf dem Alpe ist es der Bahnhof Chiusaforte. Neben Cafe gibt es Cantuccini mit diesem und jenem obendrauf.



In Tarvis angekommen, ist es nicht mehr weit nach Österreich.


Österreich

Heute hat sich der Lastminute Bucher verzockt. Entlang des Alpe ist alles ausgebucht. Das was noch da ist, willst du nicht bezahlen.

In einem Seitental der Geil werde ich fündig. Komoot weist mir den Weg. Anfänglich ist die schmale Straße asphaltiert, dann nicht mehr. Aus der Straße wird ein Feldweg, aus dem Feldweg ein stark abschüssiger Trampelpfad.. Dann hört auch dieser auf zu sein. Brennnesseln stehen mir auf Augenhöhe gegenüber. Ein zurück ist völlig unmöglich. Aus der Gepäcktasche krame ich ein paar lange Klamotten hervor, ziehe sie drüber. Eine gute Stunde später, sitze ich am Ortsrand von Feistritz an der Geil auf dem Wassertrog einer Viehweide und befreie meine Naben von grünem Ungemach.



7. Sechste Etappe: Selbstüberschätzung

Neben der frisch geschmierten, turmhoch belegten Wurststulle verspeise ich die letzte verbliebene slowenische Wochenmarktgurke aus meinem Rucksack. Europa ist gut verdaulich.

Ich mache eine erste fette Zwangspause, kaum das ich losgefahren bin. Ich sitze um 10Uhr triefend nass und abgekämpft an einem Bergsee mit grasgrünem Wasser.

Was bin ich doch für ein Vollpfosten. Komoot schlägt mir eine um über dreißig Kilometer kürzere Route nach Bad Gastein im Nationalpark Hohe Tauern vor und ich akzeptiere ohne Hirn und Verstand. Anstatt der 118 Kilometer an der Geil hinab bis Villach, der Drau und der Möll hinauf nach Obervellbach, entscheide ich mich für den Weg über die paar kleinen Hügel vor dem Hotelfenster. Was sind schon ein paar Höhenmeter mehr an so einem Tag wie heute.. Komoot macht mir ein Angebot, dass man nicht ablehnen kann.

Selbst der Wirt winkt mir lächelnd zum Abschied. Jetzt ist mir klar, dass der Quell seiner leuchtenden Augen eine Mixtur aus Schadenfreude und meinem Trinkgeld gewesen sein muss..

Um es kurz zu machen, die Verlockung war zu steil, bestand aus zu viel Schotterpiste und allzu wenig Körnern in den Knochen.

Jetzt sitze hier, schwitze wie ein Affe und lache mich schlapp über meine grenzenlose Dummheit.



Am Ende sind heute über 140 Kilometer Alpenpanorama genüsslich an mir vorübergezogen.



Erkenntnis des Tages:

Wer mit dem Fahrrad durch die Alpen fährt, darf sich nicht beklagen, wenn es bergauf geht.


8. Siebte Etappe: Weniger als Nichts

Was schreibt ein Blogger auf sein digitales Pergament, wenn da einfach weniger als nichts passiert ist?

Augenblicklich schlägt eine reife Eichelfruchtfamilie aus großer Höhe auf meinem blanken Schädel ein.

Alles klar, ich berichte über die Langeweile dieses Tages und lade meine fast schon kitschigen Postkartenfotos hoch.





Es ist Mittag und mein fehlender Magen knurrt. Hinter der nächsten Biege taucht der Hendl König, ein gut besuchtes Hähnchen-Krematorium am Stadteingang von Bad Königshofen auf. In eine Tüte verpackt, duftet mich das halbe Tier verführerisch an, macht sich unwiderstehlich. An der nächsten Parkbank bist zu fällig. Ich lande am Ufer eines kleines Weihers an. Augenblicklich bekomme ich Besuch. Laut, aufdringlich, hungrig, vielzählig.


Als das Geschnatter einen Großteil seines gut gewürzten Artgenossen aufgefressen hat, verzieht es sich zurück ins Schilf.

Ich schlafe auf der Bank ein, wache auf, meine Beine sind schwer wie Blei.


Der Bauer muntert mich auf. Richte, gute Arbeit. Die Wiesenränder werden mit gemäht, das Gras beigerecht.


Eine gute Nacht aus Salzburg, im Spannungsfeld eines der größten Musiker des letzten Jahrhunderts.


9. Achte Etappe: Ankunft im Freistaat

Es ist Festspielzeit in Wolfgangs Wohnstube und die Stadt ist voll von feinem Zwirn.

Ich wäre schon ganz gerne dabei, doch dafür ist jetzt nicht die Zeit. Ein solches Event will gründlich vorbereitet sein.

Wer sich für Salzburg interessiert, der wird hier fündig: https://www.jomilde.de/post/2021-alpe-adria-mit-anja


Auch das ist Salzburg. Wer mit dem Rad zum Figaro reist, genießt allzeit Vor- und freie Fahrt.

Die Salzach hat nichts mehr mit Natur zu tun. Sie hat mich auf 140 Kilometern vom Gasteiner Tal bis Laufen begleitet. Dieser Fluss ist ein technisches Bauwerk. Eine Kulturlandschaft mit perfektioniertem Hochwasserschutz. Die liebevoll genannte Salzburg Milch fließt im steinernen Korsett, vom Eigeninteresse seiner Anwohner und der Staatengemeinschaft Deutschland/ Österreich geprägt, schweigsam dem Inn entgegen.

Mein Vater hat mich gelehrt Forellen mit der Hand zu fangen. Du findest sie an seichten, ruhigen Stellen, unter Wurzelstöcken, in Bögen und Ausspülungen. Du kannst sie im Wasser streicheln, sie hinter den Kiemen packen und rausnehmen.


Im menschlichen Streben tun wir alles, um uns vor der Gewalt des Wassers zu schützen und fügen ihr damit selbst die größte zu..


Reisen bildet und das tut Not. Wir kennen München, Ulm und Passau. Aber, schon mal was von Laufen, Tittmoning im Berchtesgadener Land oder Neumarkt-Sankt Veit gehört?


Auf der Brücke vom österreichischen Oberndorf ins deutsche Laufen hört man den bayrischen Löwen brüllen. Es ist unverkennbar, "I bin wieda dahoam."

Deutschland

Europasteg in Laufen

Tittmoning im Landkreis Traunstein


Mein Tagesziel, Neumarkt-Sankt Veit habe ich nicht gewählt, weil mir die Stadt so gut gefällt, sondern weil sie exakt 100 Kilometer von Salzburg entfernt liegt und eine gute Unterkunft verspricht..


Frisch geduscht, sitze ich auf dem großen Marktplatz vor dem Hotel zur Post und bin von schicken Häusern im typischen Inn- Salzach- Stil und zwei Torbauten eingerahmt.. Ich bestelle Bier und einen Teller Nudeln um mich fit zu halten.

Schön ist es hier, denke ich, mache ein paar Fotos, packe den Rechner aus und schreibe das auf.

Vom Nachbartisch kommt ein Herr auf mich zu und spricht mich an. Er habe bemerkt, dass ich mich für die Stadt interessiere und ob ich etwas darüber wissen wolle. Wir kommen ins Gespräch. Mein Gegenüber ist Erwin Baumgartner, der Bürgermeister. Er ist hier geboren und seit zwanzig Jahren der Vorsteher von Stadt und Leuten. Schnell merke ich, dass er für das brennt, was er tut. Er berichtet von den Bauarbeiten am Platz, der künftig barrierefrei befahren und betreten werde könne, Er spricht von den Farben der Häuser und des Pflasters und davon, dass seine Stadt auf Begegnung und Handel ausgelegt sei.


Ich sitze noch draußen als alle längst gegangen sind.

Winke nach der Wirtin, bestelle mir noch ein Bier und freue mich hier zu sein.


Zu guter Letzt:

Eines ist mir sofort aufgefallen auf meinem Weg durch Oberbayern. Die können auch anders.

Ich denke mir: "Domid die Preißen do bloam"


Zu guter Allerletzt.



9. Etappe: Die weibliche Blüte

Ich muss besser auf mich achten. Mein gestriger Umgang mit mir war schlampig und ruinös. Die Tagestemperaturen lagen jenseits der dreißig Grad Marke. Ich habe zu wenig gegessen, viel zu wenig getrunken und keine ausreichenden Pausen eingelegt. Heute ist der Tag der Selbstdisziplin und den ziehe ich durch.

Auf Erwin Baumgartners Begegnungsplatz gibt es einen Edeka. Er ist visavis dem Hotel zur Post. Wasser, Bananen, Keckse sind im Korb und schon geht's los.

Bis Landshut dominiert die Landwirtschaft. Hauptsächlich wird Mais angebaut. Ich fahre auf schmalen Straßen durch kleine Dörfer. Einzelne Höfe stehen verstreut in der Hügellandschaft. Der Begegnungsverkehr beschränkt sich auf große und kleine Traktoren mit und ohne Anhänger.


In Landshut komme ich an den nächsten großen Fluss. Bevor ich die Isar überquere lege ich eine ausgiebige Frühstücks- Fotopause ein.


Nordwestlich von Landshut beginnt die Hallertau.

Dort wächst und gedeiht der Ursprung meines gelegentlichen Schwindelgefühls.



Für einen Liter Bier benötigt man gerade mal 1 Gramm der weiblichen Hopfenblüte. Eine Ranke reicht für ungefähr 400 Liter.

Männliche Pflanzen werden sofort gerodet, Eine Befruchtung der weiblichen Dolden hätte negative Auswirkungen auf die Schaumbildung.


Die Hallertau ist mit 17.000 Hektar das größte Anbaugebiet der Welt. 83% des deutschen Anbaus befinden sich hier. Ich radle durch die Bierberge Bayerns.

Die lockeren, fruchtbaren Böden sind ideal für die rasant wachsende Pflanze. Im Schnitt legt sie pro Tag zwischen 10 und 35 Zentimeter zu. Oben am Gerüst angekommen, beginnt sie mit der Ausbildung der Blüte. Ende August fangen die Bauern mit der Ernte an.


Im Gegensatz zur übrigen Landwirtschaft sind die Hopfenbauern gut dran.

Ihr Geschäft ist einträglich. Die Höfe sehen aus, als wären sie nach dem deutschen Reinheitsgebot gebaut worden.


Am späten Nachmittag erreiche ich Ingolstadt. Wasser, Bananen und Keckse sind ausnahmslos und vollständig in Beschleunigungsenergie umgewandelt worden.

Morgen ist Sonntag und Sonntag ist Ruhetag.


Zum Tagesabschluss gibt es noch eine Zwischenbilanz. Die 1.000 Kilometergrenze ist überschritten.




11. Ruhetag

Was macht ein Mann mit einem Ruhetag, wenn das Hotel rein zufällig im GVZ der vier Ringe in Ingolstadt steht? Eine Frau würde wahrscheinlich sagen, er bedient das Klischee.

Meine Frau hätte den TT mitgenommen.



Das Audi Forum ist ein viergeschossiger Rundbau, der die vier ineinander verschlungenen Ringe verkörpern soll. Diese entstanden aus dem Zusammenschluss von Audi, Horch, DKW und Wanderer zur Auto Union AG im Jahre 1932. Der Name Audi ist übrigens aus der Not heraus geboren. Sein Gründer August Horch hatte einen Prozess um den Konzernnamen Horch verloren. Bis ein Kommilitone ihm den Vorschlag gemacht hat, seinen eigenen Namen ins Lateinische zu übersetzen. Daraus entstand Audi.


Das Museum zeigt die Geschichte deutscher Ingenieurskunst von 1899 bis heute.

Das Fahrrad und alle Versuche, die Körperkraft durch Technik zu unterstützen lässt sich weit zurückverfolgen. Das E-Bike von heute knüpft nahtlos daran an.


Selbst den Gates-Riemen, der heute meine Kette ersetzt, gab es damals schon. Das Problem war nur, ihn endlos herstellen zu können. Die Nahtstelle war lange Zeit ein ärgerliches Thema.




Ich würde mir gerne noch ein H2-Bike, ein mit molekularem Wasserstoff angetriebenes Fahrrad, kaufen können. Jetzt macht mal hinne...


Zu guter Letzt gibt's noch was zeitlos Schönes


Zuallerletzt noch ein Foto vom Vorplatz der GVZ Jugendbegegnungsstätte.

Man kann den Saustall auch schön reden. Immerhin wurde ein Elektroroller für die übermäßig lange Anreise von MC Donalds benutzt und mit Holzbesteck gefressen.



12. Zehnte Etappe: Altmühltal

Jetzt ist es genug mit der Ausruherei.

Dieser Montag beginnt mit einem bestechend tiefblauen Himmel über Bayern.

Eine Stunde später stehe ich vor den Toren der Domstadt Eichstätt im Altmühltal.

Hier hat die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt ihren Hauptsitz. Es gibt ein breit gefächertes Studienangebot der Geisteswissenschaften. In Eichstätt wird man vor allem Lehrer.

In der Barockstadt lässt es gut leben. Sie liegt eingebettet in die Ausläufer der Fränkischen Jura und der idyllischen Altmühl mit ihren Nebenarmen. Wirtschaftlich bekannt ist die Gegend vor allem durch die Natursteinindustrie, wie den Solnhofer Marmor.




Seit vielen Jahren zählen wir Sprengtechniker zu den regelmäßig wiederkehrenden Gästen der Stadt. Das in Adelschlag ansässige Unternehmen Geokonzept hat sich der Laserbruchwandvermessung verschrieben und schult die Anwender in ihrer hochkomplexen Technik.



Eichstätt ist seit dem 8. Jahrhundert Bischofssitz. Die Kirche steht knöcheltief im Sumpf von Missbrauchsvorwürfen.

Das Bistum Eichstätt hat auf seiner Internetseite eine Erklärung zur Aufarbeitung abgegeben.

Ein externes Aufarbeitungsprojekt befindet sich in der Abstimmung und soll spätestens Ende des Jahres 2022 beginnen.


Ich kann es nicht nachvollziehen, warum die Staatsanwaltschaft seit Jahrzehnten das Weihwasser scheut. Nach Kirchenrecht besteht die Maximalstrafe für ein Kapitalverbrechen aus der Abberufung und dem Verlust der Dienststelle. Einer Sekretärin blüht das Gleiche, wenn sie eine Druckerpatrone geklaut hat.

Missbrauch ist ein humanoider Virus, der bis heute sein Unwesen treibt. Mit einer Besonderheit. Die Schuldigen tragen keine Mund-Nasen Bedeckung, sie tragen Maulkörbe.

Nachtrag Sep.2022

Im ARD läuft eine Doku mit dem Titel "Wie Gott uns schuf-Coming Out in der Katholischen Kirche". Die Sendung stellt die Frage, ob die katholische Kirche im Konflikt mit den Menschenrechten steht.

Für Homosexuelle, die in der Kirche arbeiten gilt bis heute: Versteckt Dich!



Wenn ich ein Prädikat für "Natur" zu vergeben hätte, die Altmühl wäre mein Preisträger.

Die Franken machen das gut. Sie machen nichts. Nicht ganz, sie schützen ihre Altmühl vor Abwässern und allzu viel menschlichem Zugriff.

Mit einer Ausnahme. Der Altmühlsee ist der zentrale Tummelplatz für Besucher und Urlauber.


Der Altmühltal Radweg ist einer der schönsten in Deutschland. Nirgendwo sonst, findet der Besucher eine derart hohe Dichte an Bäckern, Fleischern, Eisverkäufern und Biergärten entlang der Strecke. Das Altmühltal ist ein Ort der Geselligkeit und Stille gleichermaßen.


Heute ging's gut voran. Nach 141 Kilometern erreiche ich Comberg in Mittelfranken.



13. Elfte Etappe: Das liebliche Taubertal

Seit Jahren lese ich auf großen Autobahnschildern vom lieblichen Taubertal. Der ADFC hat dem 100 Kilometer langen Radweg von Rothenburg ob der Tauber bis Werthheim am Main wiederholt 5 Sterne verliehen. Heute will ich von der Lieblichkeit kosten.

Rothenburg ob der Tauber ist der fränkische Eifelturm, ein ultimativer Besuchermagnet für ein internationales Publikum.


Das mittelalterliche Stadtensemble ist beeindruckend, die Restauration der Gebäude konsequent in der Fläche umgesetzt.

Mir ist es zu viel Commerz. Gefühlt jedes zweite Gebäude ist ein Hotel, ein Gasthaus oder Laden mit Merchandisings. Der Besucherverkehr wallt dicht an dicht durch die schmalen Gässchen. Ein Besuch lohnt sich in jedem Falle. Nur vielleicht nicht unbedingt im August.


Auch auf dem Taubertal Radweg ist richtig was los. Hauptsächlich grau meliertes Publikum auf modernster Ebiketechnologie radelt genüsslich die Hänge auf und ab. Die erste Hälfte der Strecke ist eine einzige lange Streuobstwiese, bevor hinter Bad Mergentheim der Weinanbau den Staffelstab übernimmt.


Mein Hotel liegt abseits der Strecke. Bin mit der Buchung mal wieder ein bisschen zu spät dran.


Auf mehrfachen Wunsch gibt's es zum Tagesabschluss noch ein Wort zu meiner Kameraausrüstung. Ich habe zwei davon an Bord.


Meine Sony RK100 III hat schon so einiges erlebt und überlebt. Sie hat viel Schönes und Schlimmes gesehen. Gelegentlich streiche ich ihr zärtlich mit dem Finger über ihren Auslöser, mache ihr ein Kompliment und lade ihren Akku auf.

Die Sony RK100 III hat inzwischen einen Ur-ur-ur-urenkel. Stand der Technik ist die RK100 VII. Amazon will 1200 Euro dafür.

Mir ist das ziemlich egal, in einem alten Gesangbuch stehen auch schöne Lieder.


Meine Fuji GFX 50s II ist ein Nachwuchstalent im spiegellosen Mittelformat. Wir lernen von und miteinander. Sie macht brutal knackige, detailreiche Bilder. Das Baby hat mit 44x33mm einen Sensor so groß wie eine Pellkartoffel. Sie liefert effektiv 51,4 Megabyte im RAW Format.

Eine GFX ist keine Reisekamera, schon gar nicht in einem Rucksack auf einem Fahrrad. Ich habe sie trotzdem eingepackt.

Sie hat ihr Ticket zur Mitnahme einen Tag vor Abreise erhalten, zusammen mit dem Normalobjektiv 35x70mm und einem Einbeinstativ. Das Tele-Portrait 100x200mm hat es nicht auf die Packliste geschafft.

Zweihundert Kilometer vor Zielankunft weiß ich, dass diese Entscheidung richtig war. Als Alleinreisender habe ich die Zeit und Muse die es braucht, um ansprechende Bilder im Mittelformat einzufangen.

Beide Kameras waren abwechselnd im Einsatz. Sie ergänzen sich in der Bewältigung unterschiedlicher Aufgaben.


Mein Tipp für gute Fotos:

Wenn dein Anspruch die Qualität eines Handyfotos übersteigt, kaufe dir eine gute spiegellose Systemkamera mit einem 1" Sensor, stelle die Einstellung auf Automatik und konzentriere dich ausschließlich auf das Motiv.

Achte auf den Bildausschnitt, die 2|3 Regel und den goldenen Schnitt.

Du wirst mit jeder Session besser. Versprochen.

Kamerafotos in schlechter Qualität oder Bildaufteilung lassen sich mit Hilfe von Software auf eine deutlich höhere Qualitätsstufe heben.

Der Daimler Benz ist Adobe Photoshop, der Audi Luminar Neo.

Ich arbeite mit sowohl als auch. Beide sind kostenpflichtig.

Merke: Spaß kost!


Soviel für heute. Ich bin in Baden Württemberg. Guds Nächtle


14. Zwölfte Etappe: Im Herzen von Europa

Auf holprigen Schotterwegen saust der Rhöner die Fränkische Alb hinab an den Main.

Die erste Pause lässt nicht lange auf sich warten, ich bin an einem Bäcker vorbeigekommen.


Anna lädt zum Frühstück ein.


Für die letzte Nacht meiner Reise habe ich mir im Herzen von Europa ein Zimmer gebucht.

Zur blauen Stunde hänge ich meine Kamera um den Hals und drehe meine letzte Abendrunde durch Frankfurt am Main. Ein bisschen Wehmut überkommt mich angesichts des nahenden Endes.




Doch Frankfurt hat nicht viel für Sentimentalitäten übrig. Die Stadt wuselt, lebt und bebt, selbst an einem stinknormalen Mittwoch im August.

An der ersten Ecke drückt mir Reiner Michels, der Leader des Lolita Knockout Ensembles, vor seinem Plakat sein IPhone in die Hand. Ich mache, wir plaudern, coole Sache. Die Jungs haben morgen einen Auftritt in der Stadt.


Das geht gerade so weiter. Ich komme kaum dazu eigene Bilder zu machen. Ich beklage mich nicht und schaue in strahlende Gesichter. Was steht bitte auf meiner Stirn geschrieben?



Vor lauter Fotografie habe ich meinen Hunger vergessen. Jetzt aber. En Gude


15. Die letzte, 13. Etappe: FFM - Home Sweet Home

Die letzte Etappe führt durch meine hessische Wohnstube. An den Fabrikanlagen der Farbwerke Höchst AG vorbei, geht es Richtung Norden über den Taunus an die Lahn.

Navigation findet nur noch der Statistik halber statt. Mein HNF XD3 All-Terrain steuert intuitiv um alle bekannten Schlaglöcher herum.



Ich bin wieder zuhause. Es ist alles gut gegangen. Herzlichen Dank für eure motivierende, engagierte und liebevolle Begleitung.


Erkenntnis der Tour:

Ein freies und geeintes Europa ist jede Anstrengung wert.

Statistik

  • 13 Tagesetappen

  • 1.455 km

  • 11.370 Höhenmeter

  • Abenteuerquote: Hoch

  • 0 Tropfen Regen