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Vernazza, Cinque Terre

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Der Rhöner 2.0

Beitrag: Blog2 Post

An der Arbeit

Der Dezember ist der beste Zeitpunkt um sich von der Rente scheiden zu lassen. Seit einiger Zeit frage ich mich, warum das grammatische Geschlecht des Substantivs 'Rente' weiblich ist. Ich spüre meinen Fluchtreflex vor unliebsamer Inbesitznahme. Ich ziehe aus, verlasse die Schnöde und klopfe an der Tür meiner Ex, meiner Sehnsucht, meiner schönen Frau Dr. Arbeit.

Das Beste daran ist, die Geschasste ist mir unterhaltspflichtig bis zum Sargdeckel und meinem Schatz darüber hinaus. Mein Taschengeld verdiene ich mir jetzt wieder selbst.

Das Leben ist zu kurz um es mit den falschen Weibern zu verbringen.

Es ist kurz vor Sechs und ich könnte dem Wecker sagen, dass er gleich klingeln muss. Er tut es. Mir stellt sich die Frage, ob das auch schon KI ist und lenke meine Schritte zum Kaffeeautomaten. Sekunden später rieche ich das Glück aus der Tasse aufsteigen.



Hinter der Haustür schlägt mir beißende Kälte ins Gesicht. Das Quecksilber im Thermometergefäß hat sich am Boden zusammengezogen. Die graue Flüssigkeit verharrt im Anzeigeröhrchen bei minus Sieben. Schneeflocken tanzen in der Luft und wehen wie Wasser über den Asphalt. Das Auto springt an. Im Kopf ploppt der erste Zielpunkt aus der Hirnhinde. In der Bäckerei Rothe an der Auffahrt zur A45 bei Haiger Burbach gibt es warme Avocadostulle. Es dauert ein paar Minuten bis der Doppeldecker, dick belegt, frisch, knusprig und betörend duftend aus dem Backofen auf meinem Teller landet. Die Rinde kross und herb, die Mitte weich und fluffig. Wie habe ich das vermisst. Schwarzer Kaffee und Stulle in einem um diese Zeit noch menschenleerem Bäckerladen.

Ich liebe es dem Tag beim Anziehen zuzuschauen, wenn das Grau der Farbe weicht und die Welt vor dem Fenster aus ihrem Schatten tritt.

Eine Stunde später bin ich zurück im Flockenwirbel auf dem Weg ins Sauerland.

Jetzt bin ich also Selbstständig. Sollte wegen des Wetters keine Vermessung möglich sein habe ich mich selbst angeschissen.



Am Bohrloch ankommen, mache ich mich ans Werk. Meter für Meter gleitet das Sondenkabel durch die behandschuhte Hand hinab in die Tiefe. Kälte und Feuchtigkeit kriechen hingegen am Hals und an den Fingerspitzen hinauf. Nach Bohrloch drei, ist das Kabel vereist. Es flutscht durch die Finger. Eiskristalle werden abgeschält und fallen schwer zu Boden. Es schneit weiter. Eine Stunde noch und ein Aufwärmen. Als ich den Laser vor der Bruchwand aufs Stativ stelle, klart der Himmel auf. Durchs Okular schieße ich meine Polygonpunkte ins gleißende Sonnenlicht.



Am frühen Nachmittag steht das Auto wieder auf dem Parkplatz vor der Bäckerei Rothe. Jetzt ist der Laden voll. Meine Hähnchenstulle mit Frischgemüse wird heiß gemacht. Kann ein Mensch ohne Magen diese Riesenbemme in einem Rutsch verspeisen? Er kann. Hinterher fühlt es sich für mich etwa so an, als hätte ich als Mensch mit Magen drei Teile gleichzeitig aufgefressen.



Schwer atmend rollen Fahrzeug und Fahrer den Westerwald hinab an die Lahn. Ich grinse vor mich hin, wohlwissend das Frau Rente für die Zeche beim Bäcker aufkommen muss.



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